Bitcoin Mining mit dynamischem Stromtarif: Wann Tibber und Co. den Miner einschalten sollten
Von Lukas Henning · 09. Oktober 2026 · 16 Min. Lesezeit
Seit Anfang 2025 muss jeder Stromanbieter in Deutschland einen dynamischen Tarif anbieten, und seit die Börse im Oktober 2025 auf Viertelstundenpreise umgestellt hat, schwankt der Strompreis 96 Mal am Tag. In den Foren der Home-Miner ist das Thema deshalb überall: Wenn der Strom mittags an der Börse nichts kostet oder sogar negativ ist, müsste ein Bitcoin-Miner mit dynamischem Stromtarif doch endlich rentabel laufen. Die kurze Antwort: nur in wenigen Stunden im Jahr, und auch dann nur mit einem effizienten Gerät. Die lange Antwort ist dieser Ratgeber, und sie lohnt sich, weil sie zeigt, wann der dynamische Tarif dem Miner trotzdem hilft und welche Regel du in deine Steuerung eintragen solltest.
Wir rechnen mit den Zahlen vom September 2026: Netz-Hashrate rund 930 EH/s, Kurs rund 73.700 Euro, Blockbelohnung 3,125 BTC. Daraus ergibt sich, was eine Kilowattstunde im Miner wert ist; die Herleitung steht im Ratgeber Bitcoin Mining mit Solarstrom. Alle Tarifbestandteile stammen von Bundesnetzagentur und BDEW. Wenn du nur eine Zahl mitnimmst, dann diese: Von einem Börsenpreis von null bleiben beim Endkunden rund 20 Cent je Kilowattstunde übrig. Das ist die Hürde, die jeder Miner nehmen muss.
Wie ein dynamischer Tarif funktioniert
Ein dynamischer Tarif reicht den Großhandelspreis der Strombörse an dich weiter. Der Preis entsteht am Vortag in der Day-Ahead-Auktion der EPEX Spot: Gegen Mittag stehen die Preise für alle Viertelstunden des nächsten Tages fest, seit dem 1. Oktober 2025 in 96 Blöcken statt in 24 Stunden. Dein Anbieter nimmt diesen Preis, legt Netzentgelte, Steuern, Abgaben und seine Marge darauf und rechnet deinen Verbrauch Viertelstunde für Viertelstunde ab. Das ist der Unterschied zum Festpreistarif, bei dem der Anbieter das Preisrisiko trägt und dafür einen Aufschlag nimmt.
Zwei Voraussetzungen sind wichtig, und die zweite wird oft übersehen. Erstens: Seit dem 1. Januar 2025 sind alle Anbieter nach § 41a EnWG verpflichtet, einen dynamischen Tarif anzubieten; Tibber, aWATTar, Octopus, Ostrom, Rabot, 1Komma5° und viele Stadtwerke tun das. Zweitens: Die viertelstündliche Abrechnung setzt ein intelligentes Messsystem voraus, also einen Smart Meter mit Gateway, den der Messstellenbetreiber einbaut. Ohne Smart Meter rechnen die Anbieter deinen Monatsverbrauch mit dem Monatsmittelpreis ab. Dann ist es für deine Rechnung völlig egal, ob dein Miner mittags oder um Mitternacht läuft. Eine Preissteuerung bringt in diesem Fall nichts, außer dass du die Logik schon einmal testest. Tibber etwa erklärt in seinem Support-Artikel zum Smart-Meter-Rollout, dass die volldynamische Abrechnung den Smart Meter braucht und ein neu angeschlossener Pulse seit Mitte 2026 nicht mehr als Abrechnungsgrundlage dient.
Was auf den Börsenpreis draufkommt
Der Börsenpreis ist nur ein Teil dessen, was du zahlst, und nicht einmal der größte. Die BDEW-Strompreisanalyse 2026 zerlegt den durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 37,0 Cent je Kilowattstunde in 15,2 Cent für Beschaffung und Vertrieb, 9,2 Cent Netzentgelte und 12,6 Cent Steuern, Abgaben und Umlagen. Beim dynamischen Tarif ersetzt der Börsenpreis den Beschaffungsanteil, alles andere bleibt. Im Jahr 2025 lag der Day-Ahead-Preis laut Bundesnetzagentur im Mittel bei 89,32 Euro je Megawattstunde, also bei 8,9 Cent je Kilowattstunde.
| Bestandteil | ct/kWh | Hängt vom Börsenpreis ab? |
|---|---|---|
| Börsenpreis Day-Ahead (Mittel 2025) | ~8,9 | ja, das ist der dynamische Teil |
| Netzentgelte (Mittel 2026) | ~9,2 | nein |
| Stromsteuer, Konzessionsabgabe, Umlagen, Mehrwertsteuer | ~12,6 | nein (die Mehrwertsteuer nur anteilig) |
| Marge und Grundgebühr des Anbieters, umgelegt | ~1,5 bis 3 | nein |
| Summe bei mittlerem Börsenpreis | ~32 bis 34 | |
| Summe bei Börsenpreis null | ~20 bis 22 |
Bestandteile einer Kilowattstunde im dynamischen Tarif, gerundet. Quellen: BDEW-Strompreisanalyse 2026, Bundesnetzagentur. Netzentgelte und Abgaben unterscheiden sich je nach Region um mehrere Cent.
Damit ist die Rechnung für die vielbeschworenen negativen Preise klar. 2025 gab es laut Bundesnetzagentur 573 Stunden mit negativem Großhandelspreis, gut sechs Prozent des Jahres. In diesen Stunden bekommst du im dynamischen Tarif den negativen Preis gutgeschrieben, aber die 20 Cent für Netz, Steuern und Abgaben zahlst du weiter. Bei einem Börsenpreis von minus 5 Cent kostet dich die Kilowattstunde also rund 15 Cent, bei minus 10 Cent rund 10 Cent. Dass der Anbieter dir Geld fürs Verbrauchen überweist, kommt erst bei Börsenpreisen unter etwa minus 20 Cent vor, und das sind in Deutschland Ausnahmestunden an wenigen Sonntagen im Frühling und Sommer.
Der Grenzpreis deines Miners
Auf der anderen Seite der Rechnung steht, was der Miner aus der Kilowattstunde macht. Das hängt von seiner Effizienz in Joule je Terahash ab und vom Zustand des Bitcoin-Netzwerks. Mit den Zahlen vom September 2026 erwirtschaftet ein Terahash pro Sekunde im Pool rund 3,6 Cent am Tag; daraus folgt der Ertrag je Kilowattstunde und damit der Grenzpreis: der Strompreis, bis zu dem der Betrieb aus dem Netz mindestens kostendeckend ist.
| Miner | Effizienz | Grenzpreis (Pool) | Börsenpreis, ab dem es sich lohnt |
|---|---|---|---|
| Nerdaxe Gaia | ~10 J/TH | ~15,5 ct | unter etwa minus 5 ct |
| Bitaxe Copperzilla | ~12 J/TH | ~12,9 ct | unter etwa minus 8 ct |
| Bitaxe Gamma 601 | ~13 J/TH | ~11,4 ct | unter etwa minus 9 ct |
| NerdOctaxe Hydro | ~16 J/TH | ~9,5 ct | unter etwa minus 11 ct |
| NerdQaxe ++, NerdOctaxe | ~17 J/TH | ~8,9 ct | unter etwa minus 12 ct |
| Bitaxe GT 801 | ~19 J/TH | ~8,0 ct | unter etwa minus 13 ct |
| Avalon Nano 3S | ~23 J/TH | ~6,4 ct | unter etwa minus 14 ct |
Grenzpreise im Pool-Mining, Stand September 2026, vor Poolgebühr. Die letzte Spalte setzt rund 20,5 Cent feste Bestandteile voraus; je nach Netzgebiet verschiebt sie sich um einige Cent.
Die letzte Spalte ist die eigentliche Erkenntnis dieses Artikels. Selbst der effizienteste Miner unseres Sortiments, der Nerdaxe Gaia, braucht einen Börsenpreis von unter minus 5 Cent, damit der Betrieb aus dem Netz kostendeckend ist. Ein Bitaxe Gamma braucht minus 9 Cent, ein NerdQaxe ++ minus 12 Cent. Von den 573 negativen Stunden des Jahres 2025 waren die meisten nur leicht negativ, ein paar Cent unter null, und nicht tief genug. Wie viele Stunden im Jahr wirklich unter minus 10 Cent lagen, kannst du für dein Netzgebiet auf SMARD, dem Datenportal der Bundesnetzagentur, nachsehen; es sind Dutzende, keine Hunderte.
Den aktuellen Grenzpreis deines Geräts rechnest du mit unserem Mining-Rechner jederzeit neu: Ertrag je TH/s und Tag in Cent mal 1.000, geteilt durch 24 mal Effizienz in J/TH. Steigt der Kurs, steigt der Grenzpreis; steigt die Difficulty, fällt er. Als Faustregel für 2026: Der Grenzpreis liegt für gute Geräte zwischen 8 und 16 Cent und damit immer unter dem, was ein deutscher Haushalt selbst in den billigsten Stunden für Netzstrom zahlt.
Wann der Miner trotzdem laufen sollte
Wenn reines Netz-Mining nie kostendeckend ist, warum dann überhaupt ein dynamischer Tarif für Miner? Weil der Grenzpreis nur für den Fall gilt, dass der Miner allein für den Bitcoin-Ertrag läuft. In drei Situationen rechnet er sich anders, und für jede gibt es einen anderen Einschaltpreis.
| Situation | Was die Kilowattstunde zusätzlich bringt | Einschaltpreis |
|---|---|---|
| Nur Mining | nichts | Grenzpreis, 8 bis 16 ct je nach Gerät |
| Solarüberschuss | die Kilowattstunde wäre sonst verschenkt oder für 7,7 ct eingespeist | immer, solange Überschuss da ist |
| Ersatz für Elektroheizung | die Wärme ersetzt einen Heizlüfter, der dieselbe Kilowattstunde ohne Ertrag verbraucht hätte | Grenzpreis plus den Strompreis, den der Heizlüfter gekostet hätte: praktisch immer, wenn geheizt wird |
| Solo-Lotterie | die Chance auf einen Block; der Stromeinsatz ist der Lospreis | den Preis, den dir das Los wert ist |
Der Einschaltpreis hängt davon ab, was die Kilowattstunde neben dem Mining noch leistet.
Der wichtigste Fall ist der Solarüberschuss, und dort spielt der Tarif eine Nebenrolle: Der Miner läuft, weil die Sonne scheint, nicht weil die Börse billig ist. Praktischerweise fallen beide Ereignisse zusammen. Die negativen Börsenpreise entstehen fast ausschließlich mittags an sonnigen Tagen mit wenig Last, also genau dann, wenn deine Anlage auch Überschuss hat. Wer eine Solaranlage und einen dynamischen Tarif hat, bekommt mit der Preisbedingung eine zweite Meinung zur Überschussbedingung: Ist der Börsenpreis tief negativ, läuft der Miner auch dann weiter, wenn eine Wolke die Anlage kurz drosselt, weil die Kilowattstunde aus dem Netz in dieser Viertelstunde fast nichts kostet.
Der zweite Fall ist die Heizung, und er ist im Winter der interessantere. Wer ohnehin ein Zimmer elektrisch heizt, mit Heizlüfter, Infrarotpaneel oder Frostwächter, zahlt für jede Kilowattstunde Wärme den vollen Strompreis. Ein Miner liefert dieselbe Wärme und dazu seinen Ertrag. Für diesen Fall ist der Einschaltpreis nicht der Grenzpreis, sondern der Grenzpreis plus das, was der Heizlüfter gekostet hätte, und das ist bei jedem realistischen Strompreis erfüllt. Der dynamische Tarif hilft hier nicht bei der Entscheidung, ob der Miner läuft, sondern wann: Er verschiebt die Wärme in die billigen Nachtstunden mit viel Windstrom, wenn der Raum ohnehin auskühlt. Wie viel Wärme welches Gerät liefert und wo die Grenzen liegen, steht in unserem Ratgeber zum Heizen mit dem NerdOctaxe Hydro.
Der dritte Fall ist die Solo-Lotterie. Wer auf unserem Solo-Pool mint, hat keinen laufenden Ertrag, sondern eine Chance auf 3,125 BTC. Der Stromeinsatz ist der Lospreis, und ein dynamischer Tarif senkt ihn: Ein Bitaxe, der nur in den billigsten sechs Stunden des Tages läuft, kauft sein Los für ein Viertel weniger als einer, der immer läuft, verliert aber drei Viertel der Ziehungen. Ob das ein guter Tausch ist, ist Geschmackssache; die Wahrscheinlichkeiten rechnet unser Artikel Lottery Miner erklärt vor.
Ein Wort zur Poolgebühr, die in den Grenzpreisen oben noch nicht abgezogen ist: Große Pools behalten ein bis zwei Prozent des Ertrags, was den Grenzpreis um wenige Zehntelcent senkt. Wer auf einem gebührenfreien Solo-Pool mint, hat keinen laufenden Ertrag und damit auch keinen Grenzpreis im engeren Sinn; für ihn gilt die Rechnung mit dem Lospreis weiter unten.
Wann der Strom billig ist: das Muster eines Tages
Die Preiskurve eines Tages hat in Deutschland inzwischen eine feste Form, die sich aus dem Zusammenspiel von Sonne, Wind und Verbrauch ergibt. Von etwa 11 bis 15 Uhr drückt die Photovoltaik den Preis nach unten, an sonnigen Wochenenden im Frühling und Sommer bis unter null. Gegen 18 bis 20 Uhr, wenn die Sonne weg ist und die Haushalte kochen, entsteht die Abendspitze mit den höchsten Preisen des Tages, in windarmen Winterwochen mit Werten deutlich über dem Mittel. In der Nacht zwischen 1 und 5 Uhr ist es wieder günstig, vor allem wenn Wind weht. Für einen Miner heißt das: Die Mittagsstunden sind fast immer die richtigen, die Abendstunden fast immer die falschen, die Nacht ist Verhandlungssache.
Die Viertelstundenpreise seit Oktober 2025 machen dieses Muster feiner. Die Preise werden am Vortag veröffentlicht, so dass eine Steuerung den ganzen nächsten Tag im Voraus planen kann: Sie kennt um 14 Uhr bereits die billigsten Viertelstunden von morgen. Ein Miner ist dafür der ideale Verbraucher, weil er ohne Vorlauf anspringt und nach ein bis zwei Minuten volle Hashrate liefert. Bei der Preissteuerung gilt trotzdem dieselbe Regel wie bei der Überschusssteuerung: nicht bei jeder Viertelstunde schalten, sondern in Blöcken von mindestens einer Stunde, sonst verbringt der Miner mehr Zeit mit Hochfahren als mit Rechnen.
Ein Sonntag im Mai: so sieht ein guter Tag aus
Wie sich die Zahlen an einem echten Tag anfühlen, zeigt ein typischer Sonntag im Mai mit viel Sonne und wenig Last, wie es ihn 2025 mehrfach gab. Von Mitternacht bis 6 Uhr liegt der Börsenpreis bei 5 bis 7 Cent, der Endkundenpreis also bei 26 bis 28 Cent: Der Miner bleibt aus, außer er soll heizen. Ab 9 Uhr fällt die Börse, um 11 Uhr steht sie bei null, zwischen 12 und 15 Uhr bei minus 6 bis minus 9 Cent. Der Endkundenpreis liegt in diesen Stunden bei 12 bis 15 Cent. Ein Nerdaxe Gaia mit 15,5 Cent Grenzpreis läuft in diesen drei Stunden kostendeckend aus dem Netz, ein Bitaxe Gamma mit 11,4 Cent knapp darunter, ein NerdQaxe ++ mit 8,9 Cent klar im Verlust. Ab 16 Uhr steigt die Börse wieder, um 19 Uhr erreicht sie mit 12 bis 15 Cent die Abendspitze, der Endkundenpreis liegt dann bei über 33 Cent.
Der Ertrag dieses Tages: drei Stunden Betrieb für den Gaia, 0,6 Kilowattstunden Verbrauch für rund 8 Cent Strom, rund 9 Cent Pool-Ertrag, ein Cent Gewinn. Das ist die ehrliche Größenordnung, um die es beim reinen Netz-Mining mit dynamischem Tarif geht. Wer an diesem Sonntag eine Solaranlage hat, sieht dasselbe Bild aus einem anderen Blickwinkel: Von 9 bis 17 Uhr hat er Überschuss, der Miner läuft acht Stunden, und der Tarif ist nur die Bestätigung, dass die Kilowattstunde in diesen Stunden auch für alle anderen fast nichts wert ist. Beides zusammen, Überschuss plus tief negative Börse, ist der beste Tag, den ein Home-Miner in Deutschland haben kann.
Umsetzung: das Preissignal in die Steuerung bringen
Die Technik dahinter haben wir in der Anleitung Bitcoin-Miner mit Home Assistant steuern im Detail beschrieben, inklusive YAML. Hier deshalb nur die Bausteine, die den Preis betreffen. Dein Preissignal bekommst du auf zwei Wegen: über die Integration deines Anbieters, etwa die Tibber-Integration, die den aktuellen Arbeitspreis samt Tages-Minimum und -Maximum liefert, oder anbieterunabhängig über die EPEX-Spot-Integration, die die Börsenpreise aus frei zugänglichen Quellen wie SMARD oder Energy-Charts lädt und daraus Preis, Tagesrang und Quantil berechnet.
Aus den drei Situationen oben ergeben sich drei Regeln, die du je nach Anlage kombinierst:
- Regel Grenzpreis: Miner an, wenn der Endkundenpreis der laufenden Viertelstunde unter dem Grenzpreis liegt. Das greift nur in tief negativen Stunden, ist aber die sauberste Regel, weil sie nie Geld verliert. Endkundenpreis heißt: Börsenpreis plus deine festen Bestandteile, die du einmal aus der Rechnung abliest und als Hilfsentität hinterlegst.
- Regel Rang: Miner an in den billigsten N Viertelstunden des Tages, unabhängig vom absoluten Preis. Das ist die Regel für Heizbetrieb und Solo-Lotterie, bei denen der Miner ohnehin laufen soll und nur die Stunden zu wählen sind. Die EPEX-Spot-Integration liefert den Rang direkt.
- Regel Überschuss zuerst: Hat der Miner eine Solaranlage, entscheidet der Überschuss, und der Preis dient nur als Verstärker: Bei tief negativem Preis bleibt der Miner an, auch wenn der Überschuss kurz fehlt.
Wer keine Hausautomation hat, kommt für die Regel Rang auch mit der App des Anbieters aus: Tibber und andere zeigen die billigsten Stunden des nächsten Tages an, und eine schaltbare Steckdose mit Zeitplan ist in zwei Minuten umgestellt. Das ist nicht elegant, aber für einen 17-Watt-Bitaxe völlig ausreichend.
Die Jahresrechnung: vier Strategien im Vergleich
Wie viel der dynamische Tarif am Ende bringt, zeigt am besten eine Jahresrechnung für ein Gerät. Wir nehmen den NerdQaxe ++ mit rund 80 Watt und 4,8 TH/s, weil er die Klasse ist, bei der der Strompreis wirklich ins Gewicht fällt, und rechnen vier Betriebsweisen durch. Die Preisannahmen sind Mittelwerte: 37 Cent Festpreis, 32 Cent Mittel im dynamischen Tarif bei Dauerbetrieb, 25 Cent Mittel in den billigsten sechs Stunden des Tages (Annahme, in windreichen Jahren günstiger) und 17 Cent Mittel in negativen Stunden.
| Betriebsweise | Laufzeit | Verbrauch | Stromkosten | Pool-Ertrag | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Festpreis, immer an | 8.760 h | ~700 kWh | ~259 € | ~62 € | ~197 € Verlust |
| Dynamisch, immer an | 8.760 h | ~700 kWh | ~224 € | ~62 € | ~162 € Verlust |
| Dynamisch, billigste 6 h je Tag | ~2.190 h | ~175 kWh | ~44 € | ~16 € | ~28 € Verlust |
| Dynamisch, nur negative Stunden | ~570 h | ~46 kWh | ~8 € | ~4 € | ~4 € Verlust |
| Zum Vergleich: nur Solarüberschuss | ~1.200 bis 1.500 h | ~100 bis 150 kWh | 0 € | ~12 bis 18 € | ~15 € Gewinn |
NerdQaxe ++ über ein Jahr, Pool-Mining, Stand September 2026, Preisannahmen gerundet. Keine Netzstrom-Strategie wird positiv; der dynamische Tarif verkleinert den Verlust, der Solarüberschuss dreht ihn.
Das Ergebnis ist eindeutig und sollte niemanden überraschen, der die 20 Cent feste Bestandteile im Kopf hat: Kein Netzstrom-Szenario wird positiv. Der dynamische Tarif verwandelt einen Verlust von 197 Euro in einen von 162 Euro, wenn der Miner immer läuft, und in einen von 28 Euro, wenn er nur in den billigsten Stunden läuft. Erst der Solarüberschuss dreht das Vorzeichen. Für den Bitaxe Gamma mit 17 Watt gilt dieselbe Reihenfolge mit einem Fünftel der Beträge: Der Dauerbetrieb am Festpreis kostet rund 55 Euro im Jahr und bringt 17 Euro, in den billigsten sechs Stunden kostet er rund 9 Euro und bringt 4 Euro.
Was in der Tabelle fehlt, ist die Grundgebühr. Dynamische Tarife kosten je nach Anbieter zwischen rund 4 und 7 Euro im Monat Grundpreis, und der Smart Meter schlägt beim Messstellenbetreiber mit bis zu 20 Euro im Jahr zu Buche (für Haushalte unter 10.000 Kilowattstunden). Für einen Miner allein wechselt niemand den Tarif; die Rechnung geht nur auf, wenn E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher den Wechsel ohnehin tragen und der Miner mitläuft.
Worin sich die Anbieter unterscheiden
Der Börsenpreis ist bei allen Anbietern derselbe; niemand kann ihn beeinflussen. Unterschiede gibt es in vier Punkten, und für Miner ist der letzte der wichtigste. Erstens die Grundgebühr, zwischen rund 4 und 7 Euro im Monat, die bei kleinem Verbrauch stärker ins Gewicht fällt als jeder Cent Marge. Zweitens die Marge auf den Börsenpreis, meist 1,5 bis 3 Cent je Kilowattstunde, bei einigen Anbietern als fester Aufschlag, bei anderen als Prozentsatz. Drittens die App und die Schnittstellen: Tibber, Octopus und 1Komma5° binden Wallboxen, Wärmepumpen und Speicher ein und stellen Preise per API bereit, was für die Miner-Steuerung wichtig ist; Stadtwerke-Tarife liefern oft nur die Rechnung. Viertens die Abrechnung: ob der Anbieter die Viertelstundenpreise vollständig durchreicht oder Stundenmittel bildet, und wie er ohne Smart Meter abrechnet. Für die Automation zählt außerdem, ob der Anbieter die Preise des Folgetags zuverlässig gegen 13 oder 14 Uhr liefert; die EPEX-Spot-Integration ist hier die anbieterunabhängige Reserve.
Auf die Rechnung für einen Miner wirkt sich die Wahl kaum aus. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten dynamischen Tarif liegen bei 150 Kilowattstunden Miner-Verbrauch im Jahr wenige Euro. Die Entscheidung sollte deshalb nach den großen Verbrauchern fallen; der Miner nimmt, was der Tarif hergibt. Eine unabhängige Übersicht der Konditionen pflegt zum Beispiel das Balkonkraftwerk-Kompendium.
Wohin sich die Rechnung entwickelt
Zwei Trends laufen gegeneinander. Auf der Stromseite werden die negativen Stunden mehr: 457 im Jahr 2024, 573 im Jahr 2025, für 2026 erwarten Beobachter 700 bis 900. Der Grund ist der Zubau der Photovoltaik, der mittags mehr Strom erzeugt, als abgenommen wird. Das Solarspitzengesetz von 2025 bremst den Effekt für Neuanlagen, weil sie in negativen Stunden keine Vergütung mehr bekommen und deshalb abregeln, aber der Bestand speist weiter. Für Miner heißt das: Die Stunden, in denen der Endkundenpreis unter den Grenzpreis fällt, werden eher mehr als weniger, bleiben aber eine Randerscheinung, solange die festen Bestandteile bei 20 Cent liegen.
Auf der Bitcoin-Seite fällt der Grenzpreis tendenziell, weil die Netz-Hashrate schneller wächst als der Kurs und weil jedes Halving die Belohnung je Block halbiert, das nächste voraussichtlich 2028. Dagegen steht die Effizienz neuer Chips: Der BM1373 im Nerdaxe Gaia hat den Grenzpreis gegenüber dem BM1370 um rund ein Drittel angehoben, und die nächste Chipgeneration wird das wieder tun. Unterm Strich bleibt die Aussage dieses Artikels vermutlich noch Jahre gültig: Netz-Mining im deutschen Haushalt ist ein Zuschussgeschäft, der dynamische Tarif macht es billiger, die eigene Solaranlage macht es profitabel. Rechne den Grenzpreis deines Geräts alle paar Monate mit dem Mining-Rechner neu und trag ihn in deine Steuerung ein; dann triffst du in jeder Viertelstunde die richtige Entscheidung.
Häufige Irrtümer
- „Bei negativen Preisen bekomme ich Geld fürs Minen." Nur der Börsenanteil wird negativ; Netzentgelte, Steuern und Abgaben von rund 20 Cent bleiben. Erst unter etwa minus 20 Cent Börsenpreis wird die Kilowattstunde tatsächlich kostenlos, und das sind Ausnahmestunden.
- „Ich habe einen dynamischen Tarif, also zahle ich mittags weniger." Nur mit Smart Meter und viertelstündlicher Abrechnung. Ohne Smart Meter wird mit dem Monatsmittel abgerechnet, und dann ist die Uhrzeit egal.
- „Der Miner läuft im Sommer mittags, also lohnt er sich." Er lohnt sich mittags, wenn dein eigener Überschuss ihn versorgt. Aus dem Netz lohnt er sich auch mittags nur bei tief negativen Preisen. Beides fällt oft zusammen, ist aber nicht dasselbe.
- „Ein größerer Miner holt mehr aus den billigen Stunden." Er holt mehr Hashrate, aber die Rechnung je Kilowattstunde ist bei gleicher Effizienz dieselbe. Entscheidend ist die Effizienz in J/TH, nicht die Größe. Für Netzstrom ist der Nerdaxe Gaia mit 10 J/TH das beste Gerät, nicht der NerdOctaxe.
- „Ich schalte jede billige Viertelstunde ein." Ein Miner braucht nach dem Start ein bis zwei Minuten bis zur vollen Hashrate. Stundenblöcke sind das Minimum, sonst geht ein spürbarer Teil der Laufzeit verloren.
- „Netzentgelte sind überall gleich." Sie unterscheiden sich zwischen Netzgebieten um mehrere Cent, und seit April 2025 gibt es zeitvariable Netzentgelte nach § 14a EnWG für steuerbare Verbraucher. Ein Miner ist kein steuerbarer Verbraucher im Sinne des Gesetzes, aber die Tabelle oben verschiebt sich je nach Wohnort.
Fazit
Der dynamische Stromtarif ist für Home-Miner in Deutschland kein Gamechanger, aber ein nützliches Werkzeug. Er macht reines Netz-Mining nicht rentabel, weil rund 20 Cent je Kilowattstunde immer bleiben und der Grenzpreis selbst des besten Geräts darunter liegt. Er verkleinert den Verlust, wenn der Miner ohnehin läuft, verschiebt die Heizwärme in die billigen Stunden und verbilligt das Los beim Solo-Mining. Und in Kombination mit einer Solaranlage liefert er die zweite Meinung, die die Überschusssteuerung robuster macht.
Die praktische Regel für deine Steuerung: Miner an bei Überschuss, an bei Endkundenpreis unter dem Grenzpreis, an in den billigsten Stunden, wenn er heizen soll, und sonst aus. Welches Gerät den höchsten Grenzpreis hat, zeigt der Miner-Vergleich: Es ist der Nerdaxe Gaia, gefolgt von Bitaxe Copperzilla und Bitaxe Gamma 601. Wer den Strom lieber ganz aus der Rechnung nimmt, findet im Ratgeber Mining ohne eigenen Stromanschluss die Alternative, Hashrate zu mieten.
Häufige Fragen
Lohnt sich Bitcoin Mining mit dynamischem Stromtarif?
Bekomme ich bei negativen Strompreisen Geld fürs Minen?
Welcher Miner hat den höchsten Grenzpreis?
Brauche ich einen Smart Meter für den dynamischen Tarif?
Wann ist Strom im dynamischen Tarif am billigsten?
Wie steuere ich den Miner nach dem Strompreis?
Ist ein dynamischer Tarif für einen einzelnen Bitaxe sinnvoll?
Geschrieben von
Lukas Henning · Mining-Redakteur & Hardware-Experte
Lukas beschäftigt sich seit Jahren mit Bitcoin-Mining und betreibt mehrere Open-Source-Miner wie Bitaxe und NerdQaxe im eigenen Zuhause. Für Open Source Miners testet er Hardware, dokumentiert Setups und übersetzt Mining-Technik in verständliche Anleitungen: praxisnah, ehrlich und ohne Hype.