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Ratgeber

NerdOctaxe Hydro als Zusatzheizung: Was 220 Watt Abwärme im Winter wirklich bringen

Von Lukas Henning · 16. Oktober 2026 · 16 Min. Lesezeit

Jeder Bitcoin-Miner ist eine Elektroheizung. Von den 220 Watt, die ein NerdOctaxe Hydro aus der Steckdose zieht, kommt praktisch alles als Wärme im Raum an; der Unterschied zum Heizlüfter ist, dass der Miner auf dem Weg dorthin rund 14 TH/s rechnet und dafür bezahlt wird. Mit dem Beginn der Heizperiode taucht deshalb jedes Jahr dieselbe Frage auf: Kann ich mit dem Miner heizen, und lohnt sich das? Die Antwort hat zwei Teile. Physikalisch ja, ohne Einschränkung. Wirtschaftlich nur dort, wo du sonst mit Strom heizen würdest. Dieser Ratgeber rechnet beides vor, mit den Zahlen vom Herbst 2026 und ohne Werbeversprechen: 220 Watt sind eine Zusatzheizung für ein Zimmer, kein Ersatz für die Heizungsanlage.

Wir nehmen den NerdOctaxe Hydro als Beispiel, weil er der Miner mit der meisten Abwärme in unserem Sortiment ist und weil seine Wasserkühlung ihn für Wohnräume tauglich macht. Für NerdOctaxe (rund 200 Watt) und NerdQaxe ++ (rund 80 Watt) gelten dieselben Rechnungen mit kleineren Zahlen. Die Mining-Erträge stammen vom September 2026 (Netz-Hashrate rund 930 EH/s, Kurs rund 73.700 Euro); wie sie zustande kommen, steht im Ratgeber Bitcoin Mining mit Solarstrom.

Strom wird Wärme, vollständig

Der erste Hauptsatz der Thermodynamik ist in diesem Fall dein Freund: Elektrische Energie, die ein Gerät aufnimmt und nicht als Licht, Funk oder mechanische Arbeit nach außen abgibt, wird zu Wärme. Ein Miner gibt fast nichts nach außen ab. Das WLAN-Signal liegt im Milliwattbereich, das Display ebenso, die Rechenarbeit selbst verlässt das Gerät nur als Information über das Netzwerk und trägt keine Energie. Von 220 Watt Aufnahme bleiben also 220 Watt Wärme, verteilt auf Chips, Spannungswandler, Netzteil und Pumpen. Ein Heizlüfter mit 220 Watt liefert exakt dieselbe Wärmemenge, nicht mehr. Der Wirkungsgrad einer Elektroheizung ist immer 100 Prozent, und der eines Miners auch.

Der Unterschied liegt nicht in der Wärme, sondern im Nebenprodukt. Ein Heizlüfter macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme. Ein NerdOctaxe Hydro macht aus derselben Kilowattstunde eine Kilowattstunde Wärme plus rund 9,5 Cent Bitcoin-Ertrag im Pool-Mining, Stand September 2026. Das ist die ganze Idee, und sie ist so einfach, dass die Versuchung groß ist, sie zu überschätzen. Die Einschränkung kommt gleich: Sie gilt nur gegenüber anderen Elektroheizungen. Gegenüber Gas, Öl, Fernwärme oder Wärmepumpe ist der Strom, den der Miner braucht, so teuer, dass der Mining-Ertrag die Lücke nicht schließt.

Welchen Raum 220 Watt heizen

Heizungsbauer legen Heizkörper nach der Heizlast aus, also der Wärmeleistung, die ein Raum am kältesten Tag des Jahres braucht, um seine Solltemperatur zu halten. Als Faustregel gelten je nach Dämmung 50 bis 100 Watt je Quadratmeter bei normaler Deckenhöhe: 50 im gut gedämmten Neubau, 100 im ungedämmten Altbau. Ein 12-Quadratmeter-Arbeitszimmer hat damit eine Heizlast von 600 bis 1.200 Watt. Nach dieser Rechnung reichen 220 Watt gerade für ein gut gedämmtes Zimmer von 2 bis 4 Quadratmetern, und genau so wird die Frage in Foren meist beantwortet: zu wenig, vergiss es.

Diese Antwort ist richtig für den kältesten Tag und falsch für den Rest des Winters. Die Heizlast wird für eine Außentemperatur von etwa minus 12 Grad berechnet, die in Deutschland an wenigen Tagen im Jahr erreicht wird. Der Wärmebedarf eines Raums sinkt proportional zur Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Nimm das 12-Quadratmeter-Zimmer mit 600 Watt Heizlast bei minus 12 Grad und 20 Grad Raumtemperatur, also 32 Kelvin Differenz. Bei 5 Grad draußen, einem gewöhnlichen Tag im November, beträgt die Differenz 15 Kelvin und der Bedarf nur noch rund 280 Watt. Bei 10 Grad, wie an vielen Oktober- und Märztagen, sind es rund 190 Watt. In beiden Fällen deckt der Hydro den Bedarf ganz oder fast ganz; der Heizkörper bleibt kalt.

Außentemperatur Wärmebedarf des Beispielzimmers Anteil, den 220 W decken Was das heißt
+10 °C (Oktober, März) ~190 W 100 % Miner heizt allein, Heizkörper bleibt zu
+5 °C (November, Februar) ~280 W ~80 % Miner trägt fast alles, Heizkörper springt selten an
0 °C (Dezember, Januar) ~375 W ~60 % Miner halbiert den Verbrauch des Heizkörpers
−5 °C (kalte Woche) ~470 W ~45 % Miner ist Zusatzheizung
−12 °C (Auslegungstag) ~600 W ~35 % Miner ist Zusatzheizung

Beispielzimmer: 12 m², gut gedämmt, Heizlast 600 W bei −12 °C und 20 °C innen. Der Bedarf skaliert mit der Temperaturdifferenz. Für einen Altbau mit 100 W/m² halbieren sich die Anteile.

Liniendiagramm: Wärmebedarf eines 12-Quadratmeter-Zimmers in Abhängigkeit von der Außentemperatur, mit der 220-Watt-Linie des NerdOctaxe Hydro und der 80-Watt-Linie des NerdQaxe ++
Der Wärmebedarf eines Raums steigt linear mit der Kälte. Über weite Teile der Heizperiode liegt er unter den 220 Watt des Hydro.

Zwei Dinge musst du dabei im Kopf behalten. Erstens heizt der Miner nur den Raum, in dem er steht, und nur dann gut, wenn die Wärme dort bleibt: Tür zu, Fenster zu. Zweitens läuft die Rechnung nur mit Dauerbetrieb. Ein Heizkörper liefert 600 Watt, wenn er gebraucht wird, und nichts, wenn nicht. Der Miner liefert 220 Watt, solange er läuft, und braucht dafür Stunden. Er ist eine Grundlastheizung: Er hält den Raum auf Temperatur, statt ihn schnell aufzuheizen. Das passt zu Räumen, die dauernd genutzt werden, und nicht zum Gästezimmer, das einmal die Woche warm sein soll.

Zum Vergleich mit den Geräten, die als „Bitcoin-Heizung" verkauft werden: Der Ofen von 21energy aus Österreich liefert je nach Modell 800 bis 1.100 Watt und wird für Räume bis 32 bis 55 Quadratmeter beworben, mit 10 bis 60 TH/s und Preisen ab rund 2.000 Euro. Das ist die Klasse, die einen ganzen Raum auch im Januar allein heizt. Der NerdOctaxe Hydro spielt eine Klasse darunter: ein Viertel der Heizleistung, ein Viertel der Hashrate, ein gutes Drittel des Preises, und im Gegensatz zum Ofen offene Hardware mit AxeOS, die du selbst steuern und tunen kannst.

Warum die Wasserkühlung den Unterschied macht

Ein luftgekühlter Miner mit 200 Watt braucht einen kräftigen Lüfter direkt auf dem Kühlkörper, und dieser Lüfter ist das, was man im Raum hört. Der NerdOctaxe Hydro löst das mit zwei All-in-One-Wasserkühlungen, wie sie in Gaming-PCs auf dem Prozessor sitzen: Je vier BM1370-Chips sitzen unter einem Kühlblock mit integrierter Pumpe, die Wärme wandert über Schläuche in zwei Radiatoren, und dort geben große, langsam drehende Lüfter sie an die Raumluft ab. Große Lüfterflächen bei niedriger Drehzahl sind der Grund, warum das Gerät für seine Leistungsklasse vergleichsweise leise bleibt. Die Kreisläufe sind geschlossen und werkseitig befüllt; du musst nichts nachfüllen und nichts anschließen. Die Wärme landet vollständig in der Raumluft, nicht im Wasser, es gibt keinen Anschluss an die Hausheizung.

Für den Heizbetrieb ergibt sich daraus die richtige Aufstellung: Die Radiatoren brauchen freie Luft auf beiden Seiten, also nicht in ein Regal schieben und nicht hinter einen Vorhang stellen. Am besten steht der Miner dort, wo sonst der Heizkörper arbeitet, in der Nähe des Fensters, damit die warme Luft die kalte Fensterfläche abschirmt. Und er gehört auf eine feste Unterlage, weil die Pumpen bei Schräglage Luft ziehen können. Der mitgelieferte Ständer erledigt das. Wer den Miner über AxeOS drosselt, verringert Leistung und Wärme gleichermaßen; die Lüfterdrehzahl folgt der Chiptemperatur und sinkt dann mit.

Wärme dosieren: die Drosselstufen als Heizstufen

Ein Heizlüfter hat zwei oder drei Stufen, ein Miner mit AxeOS hat beliebig viele. Die Leistungsaufnahme eines Chips hängt von Taktfrequenz und Kernspannung ab, und zwar überproportional von der Spannung: Grob gilt, dass die Leistung mit der Frequenz und mit dem Quadrat der Spannung steigt. Senkst du beides gemeinsam, fällt die Leistung schneller als die Hashrate, die Effizienz wird besser, und die Wärme wird weniger. Das ist der Grund, warum Drosseln beim Heizen der Königsweg ist: Der Miner läuft weiter, liefert dem Pool durchgehend Arbeit, und du stellst die Wärme so ein, wie der Raum sie braucht.

In der Praxis legst du dir zwei oder drei Paare aus Frequenz und Spannung zurecht, die du einmal von Hand getestet hast: die Werkseinstellung als Vollheizung, ein Paar deutlich darunter als Halbheizung und ein sehr niedriges Paar als Frostwächter. Welche Werte für den NerdOctaxe sicher sind, steht im AxeOS-Tuning-Ratgeber; die Leistung liest du im AxeOS-Dashboard ab, die Wärme entspricht ihr. Wichtig ist, immer beide Werte gemeinsam zu senken. Nur die Frequenz zu reduzieren und die Spannung oben zu lassen, spart kaum Leistung, weil der Spannungsanteil der größere Hebel ist. Wer eine Hausautomation hat, lässt die Stufe von der Raumtemperatur wählen; wer keine hat, stellt sie morgens im Dashboard ein.

Was die Kilowattstunde Wärme kostet

Jetzt zur Rechnung, die den Ausschlag gibt. Eine Kilowattstunde Wärme kostet je nach Heizsystem sehr unterschiedlich viel. Der Haushaltsstrompreis liegt 2026 laut BDEW im Mittel bei 37,0 Cent; eine Kilowattstunde Gas kostet mit Grundpreis rund 12 Cent; eine Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 4 an einem Wärmepumpentarif macht aus 1 Kilowattstunde Strom 4 Kilowattstunden Wärme und kommt so auf 7 bis 9 Cent; Fernwärme liegt bei rund 14 Cent. Der Miner nimmt den Strompreis und zieht seinen Ertrag ab.

Wärmequelle Kosten je kWh Wärme Anmerkung
Heizlüfter, Infrarotpaneel, Nachtspeicher (Tagstrom) ~37 ct Haushaltsstrom, BDEW 2026
NerdOctaxe Hydro am Netzstrom ~27,5 ct 37 ct minus ~9,5 ct Pool-Ertrag
NerdOctaxe Hydro im dynamischen Tarif, billige Nachtstunden ~15 bis 18 ct bei ~25 ct Arbeitspreis in der Nacht, Annahme
Fernwärme ~14 ct Mittel 2026, je nach Netz sehr unterschiedlich
Gasheizung ~11 bis 12 ct inkl. Grundpreis, Wirkungsgrad eingerechnet
Wärmepumpe, JAZ 4, Wärmepumpentarif ~7 bis 9 ct seit 2026 ohne KWKG- und Offshore-Umlage
NerdOctaxe Hydro aus Solarüberschuss unter 0 ct Strom wäre sonst verschenkt, Ertrag bleibt

Kosten je Kilowattstunde Wärme, Stand Herbst 2026, gerundet. Mining-Ertrag im Pool bei ~930 EH/s und ~73.700 € je BTC; er ändert sich täglich.

Balkendiagramm: Kosten je Kilowattstunde Wärme für Heizlüfter, NerdOctaxe Hydro am Netzstrom, im dynamischen Tarif, Fernwärme, Gas und Wärmepumpe
Der Miner ist die günstigste Elektroheizung, aber teurer als Gas und Wärmepumpe. Nur mit Solarüberschuss wird die Wärme kostenlos.

Die Tabelle beantwortet die Frage nach dem Lohnen präzise. Gegenüber jeder anderen Elektroheizung gewinnt der Miner, und zwar um genau seinen Ertrag: Er heizt für 27,5 statt 37 Cent, ein Viertel billiger. Gegenüber Gas verliert er deutlich, gegenüber der Wärmepumpe haushoch. Wer eine Gasheizung hat und den Miner als Heizung betreibt, zahlt für jede Kilowattstunde Wärme aus dem Miner rund 15 Cent mehr als für dieselbe Wärme aus dem Heizkörper. Das kann man tun, weil man den Miner ohnehin laufen lassen will und die Wärme dann wenigstens nicht verschwendet ist. Aber es ist keine Heizungsentscheidung, sondern eine Mining-Entscheidung mit Wärmebonus.

Zwei Sonderfälle drehen die Rechnung. Im dynamischen Tarif kostet die Nachtkilowattstunde in windreichen Nächten deutlich weniger als der Durchschnitt, und nachts kühlt der Raum ohnehin aus; ein Miner, der nur nachts heizt, kommt dann in die Nähe der Fernwärme. Was ein solcher Tarif für Miner bringt und wo seine Grenzen liegen, steht im Ratgeber Bitcoin Mining mit dynamischem Stromtarif. Und mit eigenem Solarüberschuss ist die Wärme nicht nur kostenlos, sondern wird bezahlt. Allerdings gibt es im Winter, wenn die Wärme gebraucht wird, wenig Überschuss; das ist die große Schwäche jeder Kombination aus Photovoltaik und Heizung, und der Miner kann sie nicht auflösen.

Für wen sich der Miner als Heizung rechnet

Aus der Tabelle folgt eine klare Liste. Der Miner als Heizung lohnt sich überall dort, wo heute mit Strom geheizt wird und keine Wärmepumpe im Spiel ist:

  • Räume ohne Heizkörper: ausgebauter Dachboden, Hobbyraum im Keller, Anbau, Wintergarten. Statt Heizlüfter oder Infrarotpaneel steht dort der Miner, und die Wärme kostet ein Viertel weniger.
  • Gartenhaus, Werkstatt, Garage: Wo ein Frostwächter oder ein Heizlüfter den Raum über dem Gefrierpunkt hält, tut das ein Miner mit demselben Strom, und er hat es gern kühl.
  • Wohnwagen und Tiny House mit Landstrom: elektrisch beheizt, klein genug für 220 Watt, und oft ohnehin mit Solar auf dem Dach.
  • Mietwohnungen mit Nachtspeicher oder Elektroheizung: Hier ist der Miner die günstigste Kilowattstunde Wärme, die es gibt, solange der Vermieter keine Einwände hat.
  • Das Arbeitszimmer im Gasheizungs-Haus, das ohnehin einen Miner hat: Hier rechnet sich die Wärme nicht, aber sie ist da; wer den NerdOctaxe schon betreibt, sollte ihn im Winter dort aufstellen, wo die Wärme nützt, und die Heizkörper-Thermostate um ein halbes Grad zurückdrehen.

Nicht rechnen tut sich der Miner als Heizung, wenn die Anschaffung allein durch die Wärme gerechtfertigt werden soll. 799 Euro für 220 Watt Heizleistung sind ein Vielfaches dessen, was ein Heizlüfter kostet, und die Ersparnis von 9,5 Cent je Kilowattstunde holt das bei 500 Kilowattstunden Wärme im Winter (rund 48 Euro) erst nach vielen Jahren wieder herein. Die Rechnung geht nur auf, wenn du den Miner als Miner willst und die Wärme als Bonus nimmst, oder wenn Heizperiode und Solarsommer zusammen ein Jahr ergeben, in dem er beides tut.

Ein Winter mit dem Hydro: die Beispielrechnung

Wie viel am Ende eines Winters auf der Rechnung steht, zeigt eine Beispielrechnung für das 12-Quadratmeter-Arbeitszimmer von oben, in einem Haus, das sonst elektrisch heizt. Heizperiode von Oktober bis April, rund 200 Tage. Der Miner läuft an diesen Tagen im Mittel 12 Stunden, gesteuert über die Raumtemperatur, also rund 2.400 Stunden. Er zieht dabei 528 Kilowattstunden und gibt dieselbe Menge als Wärme ab.

Position Heizlüfter 220 W NerdOctaxe Hydro
Laufzeit im Winter 2.400 h 2.400 h
Stromverbrauch 528 kWh 528 kWh
Wärme im Raum 528 kWh 528 kWh
Stromkosten (37 ct) ~195 € ~195 €
Pool-Ertrag 0 € ~50 €
Kosten der Wärme ~195 € ~145 €
Solo statt Pool: Blockchance in diesem Winter etwa 1 zu 4.600

Ein Winter im elektrisch beheizten Arbeitszimmer, 2.400 Betriebsstunden, Pool-Mining, Stand September 2026. Die Chance auf einen Solo-Block bezieht sich auf die 2.400 Stunden bei ~930 EH/s.

Die 50 Euro Ersparnis sind kein Vermögen, aber sie sind real, jeden Winter, und sie steigen mit dem Bitcoin-Kurs. Wer statt im Pool solo mint, verzichtet auf die 50 Euro und kauft dafür ein Los: Bei 14 TH/s und 2.400 Stunden liegt die Chance auf einen ganzen Block mit 3,125 BTC bei etwa eins zu 4.600. Das ist die Rechnung, die unser Artikel Lottery Miner erklärt ausführlich vorrechnet. Für die Wärme ist es egal, welchen Weg du wählst; sie kommt in beiden Fällen.

Der Miner als Thermostat: die Steuerung

Damit der Miner wie eine Heizung arbeitet, braucht er eine Regel, die eine Heizung hat: Er läuft, wenn der Raum zu kalt ist, und pausiert, wenn er warm genug ist. Die einfachste Umsetzung ist eine Thermostat-Steckdose, wie sie für Heizlüfter verkauft wird, mit Fühler im Raum und einstellbarer Solltemperatur. Sie schaltet den Miner hart aus und ein; das verträgt er, und nach dem Einschalten ist er in ein bis zwei Minuten wieder auf voller Hashrate. Eleganter ist die Drosselung über AxeOS, weil der Miner dann bei Erreichen der Solltemperatur nicht ausgeht, sondern mit geringerer Leistung und besserer Effizienz weiterläuft.

Wer Home Assistant betreibt, baut die Raumtemperatur als Bedingung in die Automation ein, die wir in der Anleitung Bitcoin-Miner mit Home Assistant steuern beschrieben haben: Raum unter 19 Grad, Miner voll; Raum zwischen 19 und 21 Grad, Miner gedrosselt; Raum über 21 Grad, Miner aus. Dazu ein Fensterkontakt, der den Miner beim Lüften pausiert, und im dynamischen Tarif die Regel, die Wärme in die billigen Nachtstunden zu legen. Mit einer Hysterese von einem halben Grad und einem Takt von fünf Minuten läuft das den ganzen Winter ohne Eingriff.

Die Wärme messen, nicht schätzen: Häng ein Thermometer an die Stelle, wo du sitzt, nicht neben den Miner. Die Radiatoren geben warme Luft ab, die nach oben steigt; ein Meter daneben auf Schreibtischhöhe fühlt sich der Raum anders an als am Fühler des Geräts. Nach einer Woche weißt du, ob 220 Watt für deinen Raum reichen, und kannst entscheiden, ob ein zweiter Miner oder ein Ventilator, der die Wärme verteilt, die bessere Ergänzung ist.

Sommer: wenn die Wärme stört

Die Kehrseite der Heizung ist der Sommer. 220 Watt, die im Januar willkommen sind, machen im Juli aus dem Arbeitszimmer eine Sauna. Wer den Miner das ganze Jahr betreiben will, braucht deshalb einen Plan für die warmen Monate, und es gibt drei. Der erste ist der Standortwechsel: Im Sommer zieht der Miner in den Keller, in die Garage oder auf den Balkon unter ein Dach, wo die Wärme nicht stört und die Umgebungstemperatur den Chips sogar guttut. WLAN-Reichweite vorher prüfen. Der zweite ist die Drosselung: Auf der niedrigsten Stufe gibt der Hydro nur noch einen Bruchteil seiner Wärme ab und rechnet mit bester Effizienz weiter. Der dritte ist der Solarüberschuss: Wer eine Anlage hat, lässt den Miner im Sommer nur laufen, wenn die Sonne den Strom liefert, und heizt dann eben mit Sonnenstrom, was zwar warm, aber kostenlos ist; wie das geht, steht im Ratgeber Bitcoin Mining mit Solarstrom.

Aus dem Jahreslauf ergibt sich das Betriebsmuster, das für einen 220-Watt-Miner in Deutschland am besten passt: Von Oktober bis April im Wohnraum als Heizung, gesteuert über die Raumtemperatur; von Mai bis September gedrosselt an einem kühlen Ort oder nach Solarüberschuss. So läuft er das ganze Jahr, ohne je zu stören, und die Wärme ist in jeder Jahreszeit entweder nützlich oder verschwindend gering.

Ein großer Miner oder mehrere kleine?

Für die Wärmeverteilung ist ein einzelner 220-Watt-Miner nicht immer die beste Lösung. Wer zwei Räume elektrisch heizt, ist mit zwei NerdQaxe ++ à 80 Watt oder einem NerdQaxe ++ und einem Bitaxe oft besser bedient als mit einem Hydro in einem Raum: Die Wärme entsteht dort, wo sie gebraucht wird, und jedes Gerät lässt sich einzeln steuern. Der Preis dafür ist eine schlechtere Effizienz je Terahash, weil kleinere Geräte mit einem Netzteil und einem Controller je Chip mehr Nebenverbrauch haben, und mehr Lüftergeräusch in der Summe. Für einen Raum bleibt der Hydro die bessere Wahl, weil die Wasserkühlung 220 Watt leiser abführt als zwei Luftkühler zusammen.

Was kein Home-Miner kann, sollte ebenfalls klar sein. Er heizt Luft, kein Wasser: Warmwasser, Fußbodenheizung und der Heizkreis des Hauses bleiben außen vor, weil die geschlossenen Kühlkreisläufe des Hydro keinen Wärmetauscher zum Hausnetz haben und die 220 Watt für einen Pufferspeicher ohnehin zu wenig wären. Geräte, die das tun, sind Industrieminer mit mehreren Kilowatt in speziellen Gehäusen, und sie spielen in einer anderen Preis- und Lärmklasse. Und er heizt nicht schneller als ein Heizlüfter gleicher Leistung: Wer morgens ein kaltes Bad in zehn Minuten warm haben will, braucht dafür 2.000 Watt, nicht 220.

Ein Unterschied zur Infrarotheizung ist für das Wohlbefinden wichtig. Ein Infrarotpaneel gibt seine Wärme als Strahlung ab; sie erwärmt Wände, Möbel und Menschen direkt, und ein Raum fühlt sich damit bei niedrigerer Lufttemperatur warm an. Der Miner heizt wie ein Heizlüfter durch Konvektion: Die Lüfter blasen warme Luft aus den Radiatoren, die im Raum aufsteigt und sich verteilt. Das erwärmt die Luft schnell, die Wände langsam. Für einen Schreibtischplatz in Radiatornähe ist das angenehm, für einen ganzen Raum braucht es Zeit. Ein kleiner Ventilator, der die Luft umwälzt, verteilt die Wärme gleichmäßiger und kostet drei Watt.

Praxis und Sicherheit

  • Netzteil und Steckdose: Das mitgelieferte Netzteil liefert 12 Volt bei 20 Ampere, also 250 Watt. Es wird warm und gehört frei aufgestellt, nicht unter den Teppich und nicht in die Schublade. Eine gewöhnliche Steckdosenleiste verträgt die Last problemlos, aber der Miner sollte nicht an derselben Leiste hängen wie ein weiterer Heizlüfter.
  • Staub: Radiatoren sind Staubfänger. Einmal im Monat mit dem Pinsel oder Staubsauger über die Lamellen, sonst sinkt die Kühlleistung und der Lüfter dreht höher.
  • Nichts abdecken: Wer den Miner „gemütlicher" machen will und ein Tuch darüber legt, staut die Wärme, AxeOS drosselt oder schaltet ab, und die Heizleistung ist weg. Der Miner braucht freie Luft wie jeder Heizkörper.
  • Rauchmelder: Ein Miner ist kein Brandrisiko im Normalbetrieb, aber er ist ein 220-Watt-Gerät, das unbeaufsichtigt läuft. Ein Rauchmelder im Raum ist Pflicht, wie bei jeder Elektroheizung.
  • Luftfeuchte: Elektroheizungen trocknen die Luft nicht, das ist ein Mythos; sie erwärmen sie nur, wodurch die relative Feuchte sinkt. Das gilt für den Miner genauso wie für den Heizkörper. Wer im Winter trockene Luft hat, hat sie mit jeder Heizung.
  • Lautstärke: Hörbar ist der Hydro, vor allem nachts im Schlafzimmer, aber deutlich leiser als ein luftgekühlter Miner gleicher Leistung. Ob er sich für ein Schlafzimmer eignet, ist Geschmackssache; für Arbeitszimmer, Werkstatt und Hobbyraum ist er unproblematisch.

Steuern und Kleingedrucktes

Der Pool-Ertrag eines Winters liegt bei rund 50 Euro, der eines ganzen Jahres im Dauerbetrieb bei rund 180 Euro. Beides bleibt unter der Freigrenze von 256 Euro, die nach § 22 Nr. 3 EStG für sonstige Einkünfte gilt, sofern keine anderen sonstigen Einkünfte dazukommen. Findet der Miner solo einen Block, ist das anders: 3,125 BTC sind im Jahr des Zuflusses zum Tageskurs zu versteuern, und dann gehört der Fall zum Steuerberater. Das BMF-Schreiben vom 6. März 2025 beschreibt die Behandlung; wir sind keine Steuerberater, und dieser Absatz ersetzt keine Beratung. Für Mieter gilt: Ein Miner ist ein Elektrogerät wie ein Heizlüfter und braucht keine Erlaubnis; eine Elektroheizung als Hauptheizung kann im Mietvertrag geregelt sein.

Fazit

Der NerdOctaxe Hydro ist eine 220-Watt-Elektroheizung, die für ihre Wärme bezahlt wird: rund 9,5 Cent je Kilowattstunde, Stand September 2026. Damit ist er die günstigste Elektroheizung, die du kaufen kannst, und die einzige mit einer Chance auf 3,125 BTC. Er ersetzt keine Gasheizung und keine Wärmepumpe, weil deren Wärme ein Drittel bis ein Viertel kostet. Er hält aber ein gut gedämmtes Zimmer über weite Teile der Heizperiode allein warm, und in den kalten Wochen nimmt er dem Heizkörper die Hälfte der Arbeit ab. Wer ohnehin elektrisch heizt oder ohnehin mint, sollte den Miner im Winter dort aufstellen, wo die Wärme nützt, ihn über die Raumtemperatur steuern und im Sommer, wenn die Wärme stört, auf Solarüberschuss oder Drosselung umstellen.

Wer weniger Wärme und weniger Hashrate braucht, findet im NerdQaxe ++ mit rund 80 Watt die kleinere Variante desselben Prinzips, gut für Bad oder Gäste-WC. Und wer den Miner ausschließlich als Heizung und ohne eigene Hardware betreiben will, ist mit einem Heizlüfter besser bedient; der Miner lohnt sich nur, wenn du beides willst. Welche Geräte wie viel Wärme abgeben, zeigt die Spalte Leistungsaufnahme im Miner-Vergleich.

Häufige Fragen

Kann man mit einem Bitcoin-Miner heizen?
Ja. Ein Miner wandelt seine gesamte Leistungsaufnahme in Wärme um, genau wie ein Heizlüfter, und mint dabei Bitcoin. Ein NerdOctaxe Hydro liefert rund 220 Watt Wärme, ein NerdQaxe ++ rund 80 Watt, ein Bitaxe rund 17 Watt. Für ein Zimmer ist der Hydro eine Zusatzheizung, die es in milden Wochen allein warm hält; für ein ganzes Haus reicht kein Home-Miner.
Welchen Raum heizen 220 Watt?
Nach der Heizlast-Faustregel von 50 bis 100 Watt je Quadratmeter reichen 220 Watt am kältesten Tag nur für 2 bis 4 Quadratmeter. Über weite Teile der Heizperiode bei 5 bis 10 Grad Außentemperatur braucht ein gut gedämmtes 12-Quadratmeter-Zimmer aber nur 190 bis 280 Watt; dann hält der Miner es allein warm. Bei Frost ist er Zusatzheizung.
Was kostet die Kilowattstunde Wärme aus dem Miner?
Am Haushaltsstrom rund 27,5 Cent: 37 Cent Strompreis minus rund 9,5 Cent Pool-Ertrag (Stand September 2026). Ein Heizlüfter kostet 37 Cent, Fernwärme rund 14, Gas rund 12, eine Wärmepumpe 7 bis 9 Cent. Mit eigenem Solarüberschuss ist die Wärme kostenlos und der Ertrag bleibt.
Lohnt sich der Miner als Heizung gegenüber einer Gasheizung?
Nein. Die Kilowattstunde Wärme aus dem Miner kostet rund 27,5 Cent, aus der Gasheizung rund 12 Cent. Wer eine Gasheizung hat, betreibt den Miner wegen des Minings und nimmt die Wärme als Bonus. Gegenüber Heizlüfter, Infrarotpaneel oder Nachtspeicher ist der Miner dagegen ein Viertel günstiger.
Warum ist der NerdOctaxe Hydro wassergekühlt?
Acht BM1370-Chips erzeugen rund 220 Watt Abwärme. Zwei geschlossene All-in-One-Wasserkühlungen mit Pumpe, Radiator und großen, langsam drehenden Lüftern führen sie leiser ab, als ein Luftkühler mit kleinem Lüfter es könnte. Die Wärme landet vollständig in der Raumluft; einen Anschluss an die Hausheizung gibt es nicht, und die Kreisläufe sind wartungsfrei.
Wie steuere ich den Miner nach der Raumtemperatur?
Am einfachsten mit einer Thermostat-Steckdose, die den Miner bei Erreichen der Solltemperatur abschaltet. Besser mit Home Assistant und der AxeOS-Schnittstelle: Raum zu kalt, Miner voll; Raum warm genug, Miner gedrosselt; Raum zu warm oder Fenster offen, Miner aus. Die Anleitung dazu steht in unserem Home-Assistant-Ratgeber.
Wie hoch ist die Chance auf einen Solo-Block mit dem Hydro?
Bei 14 TH/s und rund 930 EH/s Netz-Hashrate etwa eins zu 1.300 pro Jahr im Dauerbetrieb, bei 2.400 Betriebsstunden im Winter etwa eins zu 4.600. Im Pool-Mining gibt es stattdessen rund 50 Cent am Tag laufenden Ertrag.

Geschrieben von

Lukas Henning · Mining-Redakteur & Hardware-Experte

Lukas beschäftigt sich seit Jahren mit Bitcoin-Mining und betreibt mehrere Open-Source-Miner wie Bitaxe und NerdQaxe im eigenen Zuhause. Für Open Source Miners testet er Hardware, dokumentiert Setups und übersetzt Mining-Technik in verständliche Anleitungen: praxisnah, ehrlich und ohne Hype.

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